Samstag, 19. Juni 2010

Alles über Lymphome

… kann und braucht man als Erkrankter und Angehöriger nicht zu wissen. Doch für den interessierten Leser ein paar Daten und Fakten.

Während Jonas im Krankenhaus mangels WLAN und aufgrund seines schlechten Allgemeinzustandes nicht auf die Suche gehen konnte, machte ich mich kundig.

Ich hatte in eine Suchmaschine die Symptome „Nachtschweiß, Fieber, Gewichtsverlust, Leber“ eingegeben und war dabei sehr schnell darauf gestoßen, dass die Kombination dieser Symptome als sog. B-Symptomatik v.a. bei Krebserkrankungen auftritt. Nur wenige Klicks weiter stieß ich auf den Begriff „Lymphom“ und was ich da las, kam mir bekannt vor.

Ich bat um ein Gespräch mit der Ärztin in Nagold und stellte dieser direkt die Frage: „Hat mein Mann Krebs?“ Als Antwort bekam ich zu hören: „Das würden wir in diesem frühen Stadium der Diagnostik noch nicht so deutlich sagen, aber wenn Sie so direkt fragen: Ja, wir vermuten es.“

Da war sie, die Diagnose - zumindest für mich war sie das. Jonas erzählte ich nichts davon, wollte ihn nicht vor der Zeit verunsichern, auch den Ärzten nicht vorgreifen. Erst 2 Tage später sollte er eine erste Diagnose erhalten, verbunden mit der Verlegung auf die Onkologie nach Sindelfingen zur detaillierten Abklärung.

Doch was ist nun ein Lymphom?

Dieser Sammelbegriff bezeichnet alle Lymphknotenvergrößerungen und Tumore des Lymphgewebes, seien sie gut- oder bösartig.

Bei den bösartigen Lymphomen wird zwischen chronischen und malignen unterschieden.
Während die chronischen Lymphome und Leukämien nur sehr langsam wachsen und mit Medikation gut im Griff zu halten sind, wird unter dem Begriff "maligne Lymphome" eine Gruppe von bösartigen Erkrankungen zusammengefasst, bei denen es zu einer raschen und unkontrollierten Vermehrung von Zellen des lymphatischen Systems kommt. Das lymphatische System dient normalerweise der Abwehr von Krankheitserregern und findet sich in Lymphknoten, aber auch in der Milz, in den Mandeln, im Knochenmark und in vielen anderen Organen. In vielen Fällen ist daher die Schwellung eines Lymphknotens ein typisches sichtbares Zeichen dieser Erkrankung, manchmal können die Erkrankungen aber auch in anderen Organen auftreten.Bei Jonas waren in Leber, Magen und Knochenmark entartete Zellen nachzuweisen, die Lymphknoten waren ohne Befund.

Maligne Lymphome sind keine einheitliche Gruppe von Erkrankungen. Man unterscheidet mindestens 30 Unterarten. Es gibt eine aktuelle Klassifikation der World Health Organization (WHO), die aber ständig erneuert und erweitert wird.

Maligne Lymphome werden in Morbus Hodgkin und Non-Hodgkin-Lymphome unterteilt. Weitere Informationen sind beim Kompetenznetz Maligne Lymphome , dem Comprehensive Cancer Center Ulm , dem Krebsinformationsdienst , Wikipedia und an vielen anderen Stellen im Internet zu finden.

Nach mehreren Untersuchungen war klar, dass Jonas ein aggressives (d.h. hochmalignes) Non-Hodgkin-Lymphom im Stadium IV hat, d.h. das Knochenmark befallen ist. Die genetische Untersuchung der Krebszellen in einem Labor in München ergab als genauere Diagnose eine seltene Mischform von diffus großzelligem B-Zell-Lymphom und dem in unseren Breiten eher seltenen Burkitt-Lymphom.

Der Chefarzt der Onkologie in Sindelfingen meinte, Jonas hätte wohl Weihnachten nicht erlebt, wäre die Diagnose nur etwas später gestellt worden. Auch mit der Chemotherapie dürfe keine weitere Zeit verloren werden, weil sich die bösartigen Zellen mit jedem Tag mehr ausbreiten. Von der ersten entarteten Zelle bis zum Ausbruch im Mai 2010 und dem kritischen Zustand waren nur etwa 18 Monate vergangen, so vermutete der Arzt. - Die gute Nachricht war, dass so aggressive Lymphome gerade wegen ihres schnellen Zellwachstums sehr gut durch eine Chemotherapie zu behandeln sind.

Claudia

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