Freitag, 18. Juni 2010

Verlegung auf die Onkologie / Hämatologie nach Sifi

Der junge Herr in exakt geschnürten Stiefeln und der Montur des Rotkreuz Rettungsdienstes, der mir im Krankenwagen gegenüber sitzt, entpuppt sich als Berufssoldat. Für seine Ausbildung als Rettungssanitäter in der Bundeswehr, wurde er zum Roten Kreuz geschickt. Ich sitze in einem viel zu kleinen Rollstuhl, der neben die Trage und die vielen medizinischen Geräte in den Wagen gezwängt wurde. Am liebsten würde ich es mir auf der Trage gemütlich machen. Aber ich weiß ja, ein Liegendtransport kostet mindestens das Dreifache. Wenn die Reise schon nach Sindelfingen geht, wäre der Ledersitz eines Taxis mit dem Stern die bequemste Lösung gewesen.
Mein Begleiter vertreibt sich die Langeweile, indem er mich in ein Gespräche verwickelt. Diagnose Krebs, damit kann er nicht viel anfangen. Ob er auch nach Afghanistan in den Einsatz geschickt werden wird, frage ich. Damit ist nach Abschluss seiner Ausbildung zu rechnen. Er erzählt mir, wie in der Truppe motiviert wird und auch, wie wenig die Soldaten in der Gesellschaft geachtet werden. Da soll es linke Gruppierungen geben, die das alte Sprichwort anders verstehen: “Feste feiern, wie sie fallen!” Immer, wenn die Nachricht von gefallenen Soldaten eintrifft, wird feste gefeiert. Was bewegt einen jungen Mann, diesen Dienst anzustreben?
Der Blick durch die schmalen Fensterschlitze verrät, dass wir die Autobahn inzwischen verlassen haben. Es geht noch durch eine Vorortsiedlung und dann hinab wie in die Tiefgarage. Die Krankenhausumgebung hat mich wieder: Notaufnahme, Rolltore, Aufzüge. Auf Station geben sich die Schwestern zunächst überrascht. So schnell hätten sie nicht mit mir gerechnet. Mein Begleiter versucht, ein verbindliches Wort zum Abschied zu finden. “Sie werden ihren Weg schon finden!” Genau, das war das Lebensgefühl Anfang Zwanzig. Ich bin versucht zu denken, dass mein Weg zu Ende geht und dass andere jetzt den Rest bestimmen. Zimmer 107 legt die Krankenschwester fest.

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